Geht wieder in Ordnung: die Herrentaschen

Geht wieder in Ordnung: die Herrentaschen

Der Artikel beschäftigt sich mit Herrenhandtaschen. Frauen haben es – zumindest in der einen oder anderen Hinsicht – leichter als Männer. Nicht nur ist es ihnen gestattet, sich deutlich extravaganter zu kleiden als letztere, ohne in diesem Zusammenhang mit dem politisch völlig unkorrekten Adjektiv „schwul“ in Verbindung gebracht zu werden. Nein, auch die gute alte Handtasche geht bei Frauen völlig in Ordnung. Männer hingegen haben in dieser Beziehung immer noch mit dem katastrophalen Image einer modischen Verirrung zu kämpfen, die ihresgleichen sucht: der Handgelenktasche.

Schon als dieses fragwürdige Accessoire in den 1970er Jahren in Mode kam, wurde sein Träger mit homophoben Bezeichnungen herabgewürdigt. Das änderte sich nur kurzzeitig, als sich das fragwürdige Stück für einige Jahre tatsächlich etablieren konnte. Doch schon Mitte der 80er Jahre war die Karriere der Inkarnation der Herrenhandtasche schlechthin schon wieder vorbei. Seitdem splittet sich die Männerwelt in zwei Teile. Die eine Hälfte versucht weiterhin, sämtlichen Krimskrams des täglichen Bedarfs in der Hosentasche unterzubringen. Was immer schwieriger wird, seitdem sich die Weiterentwicklung des Smartphones vor allem in wachsender Displaygröße niederzuschlagen scheint. Die andere Hälfte der Herren jedoch zeigt zunehmend Mut zur Herrentasche. Glücklicherweise muss sie dabei nicht mehr auf das Model mit Gelenkhenkel zurückgreifen und kann begrifflich guten Gewissens auf die Hand vor der Tasche verzichten. Sorry, aber „Herrenhandtasche“ ist nach wie vor ein No-Go.

Der Hipster von heute…

Der Hipster von heute – interessanterweise beiderlei Geschlechts – greift dabei gern auf ein Utensil zurück, was mancher bereits ebenfalls im Orkus der modischen Entwicklung angekommen wähnte: den Stoffbeutel. Der besitzt jetzt überlange Henkel, damit er elegant als Achselwärmer getragen werden kann, und ist nicht selten mit Bandlogos oder Sinnsprüchen verziert, die den Humor oder die ideologische Ausrichtung des Trägers zum Ausdruck bringen sollen.

Männer jenseits der 25, die diesem Style nichts abgewinnen können, werden heute glücklicherweise ebenfalls fündig, ohne als völlig uncool gelten zu müssen. Die Eingabe des Begriffs „Herrentasche“ in die Suchmaske eines beliebigen Internetbrowsers wirkt Wunder. Vor allem mit Modellen, die über der Schulter getragen werden, sind der Vielfalt im Bereich der Herrentaschen kaum Grenzen gesetzt. Wer es größer mag, greift auf Messenger- oder Bagpack zurück oder auf den sogenannten Weekender. Nur eines ist ganz schwer zu finden: die Handgelenktasche. Seltsam eigentlich, dass noch kein Hipster versucht hat, dieser zu ihrem unverdienten Comeback zu verhelfen. Aber das kommt sicher auch noch.

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