Ist der Prolet der neue Hipster?

Derzeit kann man in der Mode immer häufiger die Tendenz zu einem Stil erkennen, der sich bei den Merkmalen und Kleidungselemente des sogenannten Proleten, auch als Proll bekannt, bedient. Wird der Hipster nun abgelöst?

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Nachdem sich der Hipster ja zu einem Phänomen entwickelt hat, mit dem sich inzwischen weltweit unter anderem unzählige Soziologen, Kulturwissenschaftler und Trendforscher auseinandersetzen, ist in der Mode ein Bruch mit den stereotypen Erkennungsmerkmalen dieser Spezies zu erkennen. Kein Wunder, braucht es mittlerweile doch schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein bzw. Mut sich mit Röhrenjeans, Jutebeutel, Schnauzbart und Hornbrille auf die Straße zu wagen. Einst so ungemein angesagt, wird der Hipster nun weitestgehend belächelt oder gar zum Hassobjekt degradiert. Die neuen Helden tragen jetzt Bomberjacken, Boxerhaarschnitt und Goldkettchen. Ist der Hipster tot? Oder hat er sich lediglich verkleidet?

Das Hipstertum: Eine Sisyphusarbeit

Das scheinbar grundlegende Bedürfnis des Hipsters liegt wohl darin, sich abzuheben und dem Mainstream so fern wie möglich zu bleiben, wobei er sich in den meisten Fällen der Ironie bedient um den permanenten Kampf um Originalität zu bewältigen. Seinen Status definiert der Hipster unter anderem über seine Kleidung, die er mit den absurdesten Elementen und Kombinationen so gestaltet, dass lediglich Gleichgesinnte diese zu verstehen wissen, sich die Masse jedoch verwundert die Augen reibt. Ein permanenter Trotz mit immer den selben Mitteln ist jedoch auf Dauer nicht machbar, der Code des Hipsters wird dechiffriert, wobei sich die Ironie zunehmend zur Lächerlichkeit wandelt. Doch was nun?

Der Prolet als Gegenentwurf zum intellektuellen Szenemensch

Nun gilt es, neue Wege zu beschreiten und sich am besten so weit wie möglich von dem vergangenen Sinnbild der Coolness zu entfernen. Anscheinend finden die Designer und angesagten Fashionkids nun im Proll-Style den geeigneten Look, um ihrem vermeintlich avantgardistischen Verständnis Ausdruck zu verleihen. Ein genialer Schachzug, könnte man meinen, hat der Prollchic doch so gar nichts mehr mit dem nerdigen und intellektuellen Style von Gestern zu tun. Vielmehr wird der Prolet von heute mit Kulturlosigkeit und vulgärem Verhalten assoziiert. Beste Voraussetzungen also, um eine neue trotzkistische Stilrevolution zu starten.

Der Proleten-Style

Als wichtigste Bestandteile für die neue Proll-Mode dürften sich Leder– und Bomberjacken sowie Caps durchsetzen, welche zur Zeit vermehrt bei den hippen Fashion-Labels im Sortiment auftauchen. Darüber hinaus sind goldene Creolen und Goldkettchen ein absolutes Must-have. Und nicht zu vergessen: Sportswear. Dafür eignen sich natürlich Jogginghosen und Turnschuhe, wobei sich unter anderem der Airmax von Nike als besonders beliebtes Schuhmodell erweist. Markant ist auch das Hineinstecken des Hosensaums in die Socken, wobei hier ein gewisser individueller Spielraum vorhanden ist und man sich seiner Kreativität voll hingeben kann, indem man zum Beispiel nur ein Hosenbein in die Socke steckt, oder asymmetrische Tragevarianten wählt.