Jon Stewart macht Politik erträglicher

Warum dürfen nur Sportler, Schauspieler und Musiker von uns besabbert werden, es darf auch mal jemand sein, der mit satirischen Kommentaren der Politik einen Zerrspiegel vorhält.

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Jonathan Stuart Leibowitz wurde am 28. November 1962 in New York geboren und wuchs im gediegenen New Jersey auf.

Jon Stewart: Vom Stand Up zur klaren Stimme Amerikas

Der damals auch für seine jüdische Herkunft in der Schule gemobbte Jon machte es sich mit seiner leicht links gerichteten Einstellung nicht gerade leicht, wurde aber alsbald zum Klassenclown und schaffte es wohl auch dadurch, den schlimmsten Schulquereleien zu entgehen.

Mitte der 80er Jahre versuchte er sich in diversen Comedy Clubs in New York City als Stand Up und änderte seinen Nachnamen zu „Stewart“, da der Name „Leibowitz“ anscheinend zu kompliziert auszusprechen war und zu sehr nach Hollywood klang, was natürlich ein kleiner Seitenhieb auf die vorwiegend jüdisch besetzte Schreiberszene Hollywoods und dem dennoch leicht antisemitischen Sentiment der damaligen Zeit war.

Ende der 90er bekam er seinen ersten Job beim Fernsehen und schrieb für Comedy Central, MTV und wurde kurzfristig sogar als Ersatz für Letterman 1993 angesehen, musste dann jedoch Conan O’Brien weichen.

The Daily Show with Jon Stewart

Genau das war ein reiner Glücksfall denn vielleicht hätte es die Daily Show with Jon Stewart ohne diese Abfuhr niemals gegeben. 1993 lief auf MTV seine Talkshow „The Jon Stewart Show“, die neben „Beavis und Butthead“ zu den erfolgreichsten Shows eines damals noch ansehnlichen Musiksenders gehörte. Mit schwarzen Haaren und ganz ohne Anzug wirkt er für heutige Verhältnisse ungewöhnlich hip, aber wir würden 1993 Stewart nicht von der Bettkante stoßen.

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1999 wurde dann Geschichte gemacht, Jon Stewart zog zu Comedy Central und begann The Daily Show with Jon Stewart, eine Nachrichten-bezogene Comedyshow, die über lange Zeit das kühle Gewissen Amerikas darstellen würde, das überzogene Newsberichte auseinandernahm und das Weltgeschehen auf witzige, aber nachdenkliche Weise reflektierte.

Was macht Jon Stewart so sexy?

Brains!!!! Was für ein kluger Kopf, kaum entfleucht Stewart jemals etwas, dem man nicht zustimmen würde, selbst als sein guter Freund und Kongressabgeordneter Anthony Weiner für ein paar fragwürdige Fotos unter Beschlag kam, spielte Stewart keine Favoriten, sondern zog ihn ebenso durch den Dreck wie andere, konservativere Kandidaten.

Ebenso bewies er größer, als er während des Autorenstreiks weiter Sendung machte, weil seine Bühnenarbeiter und Techniker ansonsten starke finanzielle Probleme bekommen hätte, nannte er seine Show „A Daily Show“, da sie laut Stewart ohne die Autoren nicht dasselbe wäre. Auch während des Streiks war er eine führende Stimme in der Emanzipation der Autoren.

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Seine erste Show nach den 9/11 Attacken bot eine ernste, ehrliche und tränenerstickte Rede von ihm, die vielen Menschen aus dem Herzen sprach. Stewart ist mehr als nur ein Comedian – selbst wenn er sich selbst gerne damit heraus redet, wann immer ihm vorgeworfen wird, er könne die politische Stimmung aktiv mitbestimmen – Stewart ist für viele der Jiminy Cricket Amerikas.

Seine Interviewgäste nimmt er durchweg ernst, selbst wenn er nicht direkt ihre Meinung teilt, nur als Gast in anderen Shows hat er schon öfter seinen sonst allgemein ironisch-amüsierten Charme abgestellt, um sich ernsten Diskussionen zu stellen. „I am not your monkey“ meinte er so bei einem dieser Auftritte und bewies wiederholt, dass er entgegen aller Leugnung eben nicht nur Satire macht, sondern Politik und das mit ganzem Herzen, weshalb er in den letzten paar Jahren auch sichtbar gealtert ist. Ambition, Passion und der nüchterne Blick auf die Welt machen eben nicht jünger.
Und meine Güte, wenn das nicht anziehend ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

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