Harvel Keitel: Bad Lieutenant

Der sich selbst hassende Cop in ‚Bad Lieutenant‘, der ungebildete Voyeur in ‚Das Piano‘, Harvey Keitel wählt seine Rollen seit Dekaden mit viel Bedacht aus, nach ‚Reservoir Dogs‘, ‚The Duellists‘ und ‚Taxi Driver‘ wurde er auf den Bösewicht festgelegt, Harvey Keitel hat das nicht gereicht.

Der grob aussehende Mann spielt vor allem den harten fiesen Typen, gerne mit Hang zum Alkohol und ohne Interesse am akademischen Leben. Doch spätestens seit „Das Piano“ lässt er auch als treuer Ehemann Frauenherzen höher schlagen.

Harvey Keitel als der alkoholkranke Bad Lieutenant

Harvey Keitel wurde 1939 in New York City geboren, seine Eltern sind Immigranten aus Rumänien und Polen. Er meldete sich mit 16 bei den US Marine Corps und war nach der Rückkehr in die USA für einige Jahre Gerichtsreporter. Er begann seine Schauspielkarriere in Off-Broadway Produktionen und erhielt eine Hauptrolle in Martin Scorseeses erstem Feature Film „Who’s That Knocking at My Door“ im Jahr 1967. Der Regisseur und Keitel haben seitdem viele weitere Projekte gemeinsam unternommen. Sein nächster großer Film war bereits „Taxi Driver“, er spielt darin den Zuhälter von Jodie Foster.

In Coppolas „Apocalypse Now“ wurde er nach einer Woche durch Martin Sheen ersetzt, da der Regisseur nicht mit ihm zufrieden war, seiner Karriere hat das keinen Abbruch getan. Es folgten mehrere Rollen als Bösewicht, Polizist und harter Kerl, so spielte er in Thelma & Louise einen Polizisten, war Teil von „Reservoir Dogs“ und zeigte 1992 mit „Bad Lieutenant“ seine wahre Bandbreite. Der Film von Abel Ferrara schockiert mit Sex, Drogen und Nacktszenen, Keitel, der den „Bad Lieutenant“ darstellt, ignoriert Diebe, handelt mit Drogendealern, kokst während der Arbeit und verwettet sein Geld. Seine Rolle hob ihn ganz nach oben auf der Liste der überzeugenden Schauspieler, er gehört zu den alten harten Männern die im Kontrast zu den neumodischen Schönheiten wie Ryan Gosling stehen.

Der Liebhaber Harvey Keitel

Umso überaschender war die Rolle in „Das Piano“ im Jahr 1993. Hier spielt er die Liebe von Ada McGrath, die stumme Klavierspielerin, die zwangsverheiratet wird mit einem Neuseeländer namens Alistair Stewart verheiratet und zieht von Schottland zu ihm. Sie fühlt sich nicht stumm da sie sich durch ihr Klavier ausdrücken kann, dieses aber wird von Baines (Harvey Keitel) in Beschlag genommen und sie darf nur bei ihm spielen. Die stumme Ada McGrath verabscheut sowohl ihren Ehemann als auch Baines, da er romantische Gedanken verfolgt, sie aber nur Klavier spielen möchte. Sie empfindet Baines als ungebildet und stumpf.

Im Verlauf des Films gewinnt Baines dennoch ihr Herz und diese eigentlich vorhersehbare Geschichte wird vor allem durch Keitels Schauspielkunst so überzeugend. Ganz wie die Klavierspielerin ist auch der Zuschauer am Anfang davon überzeugt, dass Baines ein ungehobelter Klotz ist, doch mit der Zeit stellt sich der erste Eindruck als falsch heraus. Keitel hat sich auch nie gescheut, in Filmen fast nackt aufzutreten, so sieht man ihn sowohl in „Bad Lieutenant“ als auch in „Das Piano“ unbekleidet, sehr zur Freude der weiblichen Zuschauer. Dabei hat er nicht den schönsten Körper im Sinne der Männermagazine, sondern besticht durch Ecken und Kanten, aber natürlich auch durch wirklich viele Muskeln. Spätestens seit diesem Drama ist Keitel ganz oben auf der Anschmachtliste der Frauen. Er vereint die harte männliche Seite mit einem sanften Kern und strahlt Charakter aus.

Keitel on the top

Er kann sich seine Rollen aussuchen und spielte in so großen und guten Produktionen wie „Pulp Fiction“, „Get Shorty“, „From Dusk till Dawn“, „Cop Land“, „Inglorious Basterds“, „Little Fockers“ und „Moonrise Kingdom“ mit. Ganz wie Harrison Ford denkt er trotz seines stattlichen Alters, das die 70 schon überschritten hat nicht daran, aufzuhören. Auch das ist eine gute Nachricht.